Abreißen und neu bauen war gestern. Der nachhaltigste Trend in der Architektur und Stadtentwicklung heißt „Adaptive Reuse“ (Umnutzung). Warum alte Industrie- und Gewerbebauten die perfekten Hüllen für moderne Markthallen sind und warum der Erhalt von „Grauer Energie“ so wichtig ist.
Was bedeutet Adaptive Reuse?
Der Begriff bezeichnet die Umnutzung bestehender Gebäude für Zwecke, für die sie ursprünglich nicht gebaut wurden. Fabriken werden zu Lofts, Kirchen zu Bibliotheken – oder Markthallen und Scheunen zu modernen Genusszentren.
Dieser Ansatz hat zwei wesentliche Vorteile:
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Ökologische Nachhaltigkeit: In jedem bestehenden Gebäude steckt sogenannte „Graue Energie“ – die Energie, die bereits für Bau, Materialherstellung und Transport aufgewendet wurde. Bei einem Abriss wird diese vernichtet. Erhalt und Umnutzung sparen massiv CO2.
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Kulturelle Identität: Neubauten wirken oft austauschbar. Ein altes Gebäude bringt Patina, Geschichte und Charakter mit. Diese Atmosphäre lässt sich künstlich nicht herstellen.
Die Ästhetik des Echten
Für Konzepte wie Zunft[hallen] ist Adaptive Reuse fast schon eine Bedingung. Unsere Werte – Authentizität, Handwerk, Tradition – spiegeln sich in der Architektur wider. Ein handwerklich hergestellter Käse oder ein Wein von einem Familienweingut schmeckt in einer Halle mit Geschichte einfach stimmiger als in einem sterilen Neubau.
Von Berlin bis Rothenburg: Geschichte weiterschreiben
Unsere Standorte sind lebende Beweise für Adaptive Reuse. Die Arminiusmarkthalle (eröffnet 1891) hat Kriege und Teilung überstanden. Ihre historische Struktur wurde bewahrt und den modernen Bedürfnissen angepasst, ohne ihre Seele zu verkaufen. Ein besonders spannendes Beispiel für die Zukunft ist die Schrannenscheune in Rothenburg ob der Tauber. Eine „Schranne“ war historisch ein Kornspeicher und Handelsplatz. Indem wir diesen Ort wieder zu einem Platz für Handel und Genuss machen, respektieren wir die ursprüngliche Funktion und übersetzen sie ins Heute. Auch für andere Cases, wie für unser Projekt in Dortmund, suchen wir bewusst den Dialog mit der dortigen (Industrie-)Kultur.
Adaptive Reuse ist für uns kein Modewort, sondern Respekt vor dem, was war, und Verantwortung für das, was kommt.