Unsere Innenstädte stehen vor der größten Transformation seit der Nachkriegszeit. Der klassische Einzelhandel zieht sich zurück, „Trading-Down-Effekte“ drohen. Die entscheidende Frage lautet: Was bringt künftig Frequenz und Leben in unsere Zentren? Die Antwort liegt in einer Bauform, die so alt ist wie die europäische Stadt selbst, aber gerade neu erfunden wird: Die Markthalle.
Erfolgreiche Placemaking-Strategien zeigen, dass Orte des Genusses und der handwerklichen Produktion die neuen Ankerpunkte der Stadtentwicklung sind. Sie fungieren als hochfrequente „Dritte Orte“, bündeln lokale Ökonomien und schaffen Identität.
Wir bei Zunft[Werk] und den Zunft[hallen] beschäftigen uns täglich mit der DNA erfolgreicher Orte. Hier sind drei Best-Practice-Beispiele aus Europa, die zeigen, wie Revitalisierung und Quartiersentwicklung durch Markthallen gelingen.
1. Arminiusmarkthalle, Berlin-Moabit: Adaptive Reuse und Kiez-Kultur
Wenn wir über den Erhalt historischer Bausubstanz (Adaptive Reuse) und soziale Nachhaltigkeit sprechen, führt an der Arminiusmarkthalle in Berlin kein Weg vorbei. Eröffnet 1891, erlebte die Halle nach der Jahrtausendwende einen schleichenden Niedergang – bis ein neues Betreiberkonzept sie 2010 wachküsste.
Der Use Case für Stadtplaner:
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Sozialer Schmelztiegel: Die Halle wurde nicht zu einem exklusiven Gourmet-Tempel gentrifiziert, sondern behielt ihre Funktion als lokaler Nahversorger. Lange Gemeinschaftstafeln zwingen im positivsten Sinne zur „Kommensalität“ (dem gemeinsamen Essen). Hier sitzt der Start-up-Gründer neben der alteingesessenen Rentnerin.
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Inkubator für Handwerk: Kleine Manufakturen, lokale Brauereien und Bäcker finden hier kleinteilige, bezahlbare Verkaufs- und Produktionsflächen, die sie in der regulären Fußgängerzone nie finanzieren könnten.
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Learning: Eine Markthalle funktioniert dann am besten, wenn sie das Viertel widerspiegelt und nicht künstlich überformt. Sie muss das Wohnzimmer des Kiezes bleiben.
2. Markthal, Rotterdam (Niederlande): Hybrid-Nutzung und Landmark-Architektur
Rotterdam stand vor einem städtebaulichen Problem: Die Stadt brauchte einen neuen, überdachten Markt, um EU-Hygienerichtlinien zu erfüllen, wollte aber gleichzeitig Wohnraum im Zentrum schaffen. Das Architekturbüro MVRDV löste dies mit einem radikalen, hybriden Meisterwerk, das 2014 eröffnet wurde.
Der Use Case für Stadtplaner:
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Mixed-Use-Development in Perfektion: Die Markthal ist ein gewaltiger Bogen, der eine Markthalle mit 100 Ständen überwölbt. Der Clou: Der Bogen selbst besteht aus 228 Wohnungen. Die Bewohner schauen durch Fenster im Boden oder in den Wänden direkt auf das bunte Treiben des Marktes herab. Darunter liegt ein viergeschossiges Parkhaus.
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Architektur als Frequenzbringer: Das Gebäude ist zu einer internationalen Landmarke und Touristenattraktion geworden, was die Wirtschaftlichkeit der Marktstände massiv stützt.
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Learning: Markthallen müssen keine isolierten Flachbauten sein. Durch intelligente vertikale Verdichtung (Wohnen/Arbeiten über dem Markt) lassen sich Quartiere multifunktional und extrem flächeneffizient entwickeln.
3. Mercado da Ribeira (Time Out Market), Lissabon: Kuratierung als Rettungsanker
Der historische Mercado da Ribeira in Lissabon aus dem Jahr 1882 war lange Zeit das Sorgenkind der Stadt. Die Händler wanderten ab, der Markt verfiel. Die Wende brachte 2014 ein radikales Kuratierungs-Konzept durch das Magazin „Time Out“.
Der Use Case für Stadtplaner:
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Strenge Kuration: Anstatt Flächen einfach an den Meistbietenden zu vermieten, wurde das Angebot streng kuratiert. Nur die besten Köche, die spannendsten lokalen Konzepte und hochwertigsten Manufakturen der Stadt erhielten einen Stand.
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Wirtschaftlicher Motor: Das Konzept schlug ein wie eine Bombe. Mit über 4 Millionen Besuchern jährlich wurde der Markt zu einer der Hauptattraktionen Lissabons und löste einen wirtschaftlichen Aufschwung im gesamten angrenzenden Cais do Sodré-Viertel aus.
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Learning: Qualität schlägt Quantität. Eine Markthalle ist kein Supermarkt. Das Betreibermanagement muss wie ein Kurator im Museum agieren und die beste Qualität der Region an einem Ort verdichten.
Die Zunft[Werk] Philosophie: Von der Halle in den digitalen Raum
Diese drei Best Practices zeigen die Leitplanken für unsere eigenen Projektentwicklungen auf – sei es bei der Revitalisierung der historischen Schrannenscheune in Rothenburg ob der Tauber oder der Entwicklung des neuen Zunft[quartiers] auf der Zeche Westerholt.
Wir planen Orte, die architektonisch anspruchsvoll sind (wie Rotterdam), streng kuratierte Qualität bieten (wie Lissabon) und dabei immer das soziale Herz des Quartiers bleiben (wie Berlin).
Der nächste Schritt der Stadtentwicklung ist jedoch hybrid:
Ein physischer Ort hat physische Grenzen. Mit unserem Onlineshop Zunft[Werk] durchbrechen wir diese Grenzen. Wir digitalisieren das kuratierte Angebot der Markthallen. So unterstützen wir die kleinen Manufakturen und Händler unserer Zunft[orte] mit einer überregionalen, digitalen Reichweite und sichern so ihre wirtschaftliche Resilienz.
Stadtentwicklung endet für uns nicht an der Fassade der Markthalle – sie reicht heute bis in den digitalen Raum. Lassen Sie uns gemeinsam Orte schaffen, die bleiben.