Dritte Orte: Wohnzimmer der Gesellschaft

Dritte Orte: Wohnzimmer der Gesellschaft

Was Städte lebenswert macht, sind nicht die Straßen, die uns von A nach B bringen, sondern die Orte, an denen wir verweilen. In der Stadtsoziologie gibt es dafür einen festen Begriff, der aktueller ist denn je: Der „Dritte Ort“. Doch was verbirgt sich dahinter und warum sind Markthallen klassische Beispiele dafür?

Die Definition: Zwischen Arbeit und Zuhause

Der Begriff „Third Place“ wurde in den 1980er Jahren vom US-Soziologen Ray Oldenburg geprägt. Seine Theorie ist so simpel wie einleuchtend: Unser Leben spielt sich primär an zwei Orten ab. Der „Erste Ort“ ist das Zuhause – der Rückzugsbereich und die Privatsphäre. Der „Zweite Ort“ ist der Arbeitsplatz – hier herrschen Produktivität und Hierarchie.

Der „Dritte Ort“ hingegen ist der neutrale Boden. Es ist der Ort der Gemeinschaft, des Austauschs und der Erholung. Klassische Beispiele sind Cafés, Bibliotheken, Parks, Friseursalons oder eben: Markthallen.

Merkmale eines Dritten Ortes

Damit ein Raum als Dritter Ort funktioniert, muss er bestimmte Kriterien erfüllen:

  • Neutraler Boden: Niemand ist Gastgeber im privaten Sinne, alle sind gleichberechtigt.

  • Zugänglichkeit: Er ist offen für alle Schichten der Gesellschaft, zu fast jeder Zeit.

  • Stammgäste: Sie geben dem Ort seinen Charakter, sind aber offen für Neue.

  • Gesprächskultur: Der Hauptzweck ist die Interaktion, nicht zwangsläufig der Konsum.

  • Atmosphäre: Der Ort ist „gemütlich“ und vermittelt ein Gefühl von Heimat.

In einer Zeit, in der Einsamkeit in Großstädten zunimmt und der digitale Raum oft den physischen Austausch ersetzt, werden Dritte Orte zur unverzichtbaren sozialen Infrastruktur. Sie sind der Kitt, der Quartiere zusammenhält.

Die Zunft[hallen] als Dritte Orte

Das Konzept der Zunft[hallen] greift genau diesen soziologischen Gedanken auf. Eine Markthalle ist historisch gesehen immer der zentrale Treffpunkt einer Stadt gewesen.

Die Arminiusmarkthalle in Berlin-Moabit ist das Paradebeispiel für diesen gelebten Austausch. Hier treffen Ur-Berliner auf Touristen, Handwerker zum Mittagstisch auf Start-up-Gründer. Es ist ein erweitertes Wohnzimmer für den Kiez, in dem der Konsum zwar möglich (und genussvoll), aber das Miteinander das eigentliche Produkt ist.

Diesen Geist tragen wir weiter: Mit der geplanten Schrannenscheune in Rothenburg ob der Tauber entsteht ein neuer Dritter Ort in historischem Gewand, der Begegnung in einer touristisch geprägten Stadt wieder lokal verankert. Auch in Dortmund arbeiten wir daran, einen solchen Ankerpunkt zu schaffen. Mit Zunft[Werk] bringen wir die Produkte dieser Orte zu dir – doch die Philosophie dahinter bleibt die der Gemeinschaft.